Mieten oder kaufen? Wenn die Entscheidung schwer fällt

Finanzen, individuelle Bedürfnisse und die aktuelle Marktsituation - bei der Entscheidung zu mieten oder ein Eigenheim zu kaufen, müssen viele Aspekte bedacht werden. Die Fülle und Vielschichtigkeit an Faktoren kann schnell überwältigen. Aber keine Sorge: Unser Leitfaden nimmt dich an die Hand und beleuchtet die entscheidenden Kriterien, die du bei deiner Entscheidungsfindung beachten solltest. So findest du heraus, ob kaufen oder mieten die richtige Wahl für dich ist.

10.05.20247min7min

 Ein fröhliches Paar trägt Umzugskartons, symbolisch für ihre Entscheidung zu kaufen oder zu mieten.

Erstklassige Schokolade, hohe Lebensqualität und atemberaubende Bergkulissen - im internationalen Vergleich spielt die Schweiz in so einigen Spitzenligen mit. Geht es jedoch ums Thema Wohneigentum, wird sie kläglich von anderen Ländern abgehängt. Während in Heidi’s Heimatland lediglich 36% der Bevölkerung ein Häuschen oder eine Wohnung ihr Eigen nennen darf, besitzen in Albanien und Rumänien rund 96% ein Eigenheim. Grund dafür ist nicht etwa der fehlende Wunsch nach Wohneigentum in der Schweiz, sondern vielmehr der Angebotsmangel und die hohen Immobilienpreise.

Wenn auch du dir die Frage stellst, ob sich mieten oder kaufen mehr für dich lohnt und du wissen willst, auf was du bei deiner Entscheidung achten musst, dann ist dieser Leitfaden genau für dich.

Mieten oder kaufen - Entscheidungsfaktor Finanzen

Beginnen wir mit dem wohl wichtigsten Aspekt, wenn es um die Frage «mieten oder kaufen» geht: den Finanzen. Kaum eine andere Investition hat ähnlich einschneidende Auswirkungen auf deine langfristige finanzielle Situation - vom geliebten Nachwuchs einmal abgesehen. Lassen wir gleich zu Beginn die Katze aus dem Satz: Eine pauschal gültige Antwort, ob mieten oder kaufen finanziell lohnenswerter ist, gibt es nicht - zu viele individuelle Faktoren spielen eine Rolle. Damit du trotzdem die richtige Antwort für deine individuelle Situation findest, solltest du dir über folgende Faktoren Gedanken machen.

Eigenmittel und Tragbarkeit

Als Erstes solltest du dir die Frage stellen, ob der Kauf eines Eigenheims grundsätzlich finanziell für dich möglich ist. Bedenke, dass du mindestens 20% des Immobilienkaufpreises aus Eigenmitteln finanzieren musst. Bis zu 10% davon kannst du aus deiner Pensionskasse (2. Säule) entnehmen, die anderen 10% kannst du beispielsweise mit Ersparnissen oder durch die Verpfändung deiner 3a Säule finanzieren. Ausserdem musst du die Tragbarkeit deiner Hypothek gewährleisten können. Als Faustregel gilt: Deine zukünftigen Wohnkosten inklusive Neben- und Unterhaltskosten, sowie Hypothekarzinsen sollten 1/3 deines Haushaltsbruttoeinkommens nicht überschreiten. Klingt etwas abstrakt? Hier findest du ein Rechenbeispiel zur Tragbarkeit.

Eigenheim als Anlageform

Wir alle wissen es: Geld auf dem Sparkonto liegen zu lassen bringt momentan wenig (bis gar keine) Rendite. Durch die steigende Inflation verliert dein Geld dort sogar an Wert. Der Kauf eines Eigenheims ist deshalb eine beliebte alternative Anlagemethode, die langfristig wertsteigernd und vergleichsweise risikoarm ist. Aber merke: Geht es dir rein um den gewinnbringende Investition, gibt es andere Anlageoptionen, die eine grössere und schnellere Rendite versprechen. Aber in einem ETF kannst du eben auch nicht wohnen, stimmt’s?

Zinsen und ihre Entwicklung

Ein weiterer wichtiger Entscheidungsfaktor bei der Frage «mieten oder kaufen» sind die Hypothekarzinsen und ihre Entwicklung. Denn diese schwanken wie das Wetter im April. Die effektive Zinshöhe für eine (Fest-)Hypothek hängt von der Laufzeit ab, sowie vom Zeitpunkt, an dem du deine Hypothek abschliesst. Ausserdem ist die Höhe deiner Eigenmittel relevant. Hast du mehr Eigenmittel (als 20%) zur Verfügung, kann dies deine Zinskonditionen günstig beeinflussen. Möchtest du Planungssicherheit haben, lohnt sich die Wahl eines Festzinssatzes. Bist du risikoaffin, kannst du auch den Saron Zins wählen. Hier solltest du jedoch damit rechnen, dass die Zinsen nicht langfristig niedrig bleiben. Lasse dich zum Thema Hypothek und Zinsen am Besten beraten.

Der Wohnort

Der Ort deines Eigenheims beeinflusst massgeblich, ob der Kauf von selbstgenutztem Wohneigentum langfristig günstiger für dich ist als zu mieten. Hierbei gilt: In hippen Wohnregionen (wie beispielsweise Zürich) ist mieten meist deutlich günstiger als kaufen. In ländlichen Gebieten dagegen kann kaufen finanziell lohnender sein.

Die Steuern

«Der Tod und die Steuer sind die einzigen Gewissheiten des Lebens» sagte einst der Gründervater der USA. Und so solltest du dir diesen Aspekt auch bei der Frage «kaufen oder mieten» eingehend ansehen. Generell gilt: Als Wohneigentümer:innen kannst du mehr von der Steuer absetzen als Mieter:innen. So kannst du Unterhaltskosten, wertvermehrende Investitionen sowie die Hypothekarzinsen steuerlich geltend machen. Aber Achtung: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn Eigenheimbesitzer:innen müssen im Gegenzug den sogenannten Eigenmietwert versteuern. Dieser beschreibt fiktive Einnahmen, die du verdienen würdest, wenn du deine Immobilie vermieten würdest, anstatt sie zu bewohnen. Dass du von diesen Einnahmen effektiv nie etwas auf deinem Konto siehst, ist dem Fiskus egal. Seit einigen Jahren wird die Abschaffung des Eigenmietwerts vehement im Parlament diskutiert. In unserem Interview mit der Präsidentin der Subkommission zur Abschaffung des Eigenmietwerts erfährst du mehr zum Thema.

Ausserdem fallen beim Kauf eines Eigenheims (je nach Kanton) einmalige Steuern wie die Handänderungssteuer oder die Grundgewinnsteuer an. Um Klarheit über deine spezifische steuerliche Situation (in deiner Region) zu erhalten, lasse dich am Besten von einem oder einer Steuerberater:in beraten.

Laufende Kosten

Endlich keine Miete mehr bezahlen! Gerade in der Mietpreishochburg Schweiz ein Traum für viele. Dennoch solltest du bei deiner Entscheidung zwischen kaufen oder mieten nicht unterschätzen, dass mit einem Eigenheim zusätzliche Kostenposten auf dich zukommen. In unserem Experteninterview mit Treuhänder Jordi Alvarez erfährst du, welche zusätzlichen monatlichen Kosten du als Eigenheimbesitzer:in in dein Budget einplanen solltest.

Mieten oder Kaufen - Entscheidungsfaktor Persönliche Bedürfnisse

So wichtig der Einbezug der finanziellen Aspekte auch sein mag - Die Entscheidung ein Haus oder eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen ist mehr als eine reine Rechnung. Auch persönliche Bedürfnisse und deine aktuelle Situation spielen eine grosse Rolle. Um für dich zu klären, ob Kauf oder Miete besser zu dir passt, solltest du dir auch über emotionale Faktoren Gedanken machen. Also, schlüpfe in deine Jacke, begib dich nach draussen auf einen Spaziergang und ran geht’s an an die Selbstreflexion.

Flexibilität versus Stabilität

Bei der Entscheidung zwischen Mieten oder Kaufen, solltest du dich fragen, was deine Zukunftspläne sind und wie flexibel du bleiben möchtest. Hast du den Wunsch sesshaft zu werden oder stehen deine berufliche und private Flexibilität hoch im Kurs? Entscheidest du dich fürs Mieten, kannst du ohne langfristige Bindung an eine Hypothek mit geringem Aufwand und Kosten umziehen. Du bekommst ein Jobangebot im Ausland? Kein Problem - als Mieter:in packst du deine sieben Sachen und ziehst los. Auf der anderen Seite steht der Kauf einer Immobilie für Stabilität und die Möglichkeit, einen bleibenden Wert zu schaffen. Möchtest du an einem Ort langfristig Wurzeln schlagen, kann dir der Kauf eines Eigenheims ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit vermitteln. Sichere Burg oder doch der freie Vogel - Das ist hier die Frage!

Anforderungen an deine vier Wände

Bevor du dich fürs mieten oder kaufen entscheidest, solltest du dir zudem Gedanken machen, welche Anforderungen du an deinen zukünftigen Wohnraum hast. Brauchst du zusätzliche Zimmer für ein Homeoffice oder eine wachsende Familie? Legst du Wert auf einen Garten? Welche Anforderungen hast du an die Infrastruktur? Als Mieter:in kannst du umziehen, sollten sich deine Anforderungen ändern. Als Wohneigentümer:in bist du stärker gebunden. Gerade hier ist es also wichtig, vorausschauend zu denken. Eine gründliche Bedürfnisanalyse kann dir dabei helfen, eine Immobilie zu wählen, die auch zukünftigen Bedürfnissen gerecht wird.

Mit Freiheit kommt Verantwortung

Eine Schaukel im Wohnzimmer oder ein eigenes Fitnessstudio im Keller – in einem Eigenheim bist du Meister:in deines Reiches und kannst jedes Detail nach deinem Geschmack gestalten. Auch musst du nicht mehr befürchten, dass dein Mietvertrag gekündigt werden könnte. Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. Denn mit der Freiheit kommt Verantwortung. Als Wohneigentümer:in bist du zuständig für Instandhaltung, Reparaturen und Co. Und diese können teuer und nervenaufreibend sein. In Mietobjekten bleibt dies die Sorge der Vermieter:innen. Frage dich also: Bist du bereit, diese Verantwortung zu tragen?

Ja, was denn nun? Mieten oder Kaufen?

Wie bei vielen Dingen im Leben gibt es auch bei der Frage «Kaufen oder Mieten» keine pauschal richtige Antwort. Ob es sich finanziell für dich lohnt, hängt von vielen Faktoren wie der Zinslage, der Region, den Steuern, der Immobilie selbst, sowie deinen finanziellen Mitteln ab. Darüber hinaus, solltest du dir bewusst machen, was du langfristig von deiner Wohnsituation erwartest und für welches Lebensmodell du dich entscheiden möchtest. Wir sind uns sicher: Wägst du alle genannten Faktoren gründlich ab, wirst du schon bald wissen, ob kaufen oder mieten das Richtige für dich ist.