Solarziegel als unsichtbare Stromproduzenten

Ein Ziegel, der das Dach deckt und dabei gleichzeitig ökologischen Strom produziert? Was nach einem Sechser im Lotto klingt, gibt es wirklich: Den Solarziegel. Dieser fungiert als Baumaterial fürs Dach und Stromproduzent zugleich. Erfahren Sie im folgenden Beitrag, welche Vor- und Nachteile der High Tech Ziegel im Vergleich zu herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen aufweist, wann sich die Installation (nicht) lohnt und welche Kosten auf Sie zukommen. 

28.08.20237 min7'

Unsichtbare Solarziegel auf einem Schweizer Einfamilienhaus vor einem See

Nachhaltigkeit und Ästhetik - zwei Themen, die in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnen. Bei Photovoltaikanlagen (PV) treffen diese Themen kontrovers aufeinander. Während die einen klassische Aufdachanlagen für ihren ökologischen Mehrwert schätzen, empfinden andere sie als optisches Störelement. Grossflächige Indachlösungen, die direkt in das Hausdach eingebaut werden, bieten eine etwas unauffälligere Alternative. Der unumstrittene erste Platz in puncto Design geht jedoch an die Solarziegel: Als kleine Indachmodule vereinen sie die Ästhetik traditioneller Dachziegel mit der Funktionalität von Photovoltaikanlagen.

Doch wie sieht es mit der Effizienz der schönen Ziegel aus? Können sie mit der Leistungsfähigkeit herkömmlicher PV-Anlagen mithalten? Wann lohnt sich die Investition und mit welchen Kosten sollten Sie rechnen? Wir haben mit Patrick Imholz, Solarziegel - Experte der Freesuns AG gesprochen und liefern Ihnen gemeinsam Antworten auf Ihre Fragen!

Was ist ein Solarziegel?

Solarziegel funktionieren im Wesentlichen wie traditionelle Photovoltaikanlagen: Sie wandeln die Strahlungsenergie der Sonne in elektrische Energie, sprich Strom um. Allerdings handelt es sich dabei um deutlich kleinere Solarmodule, die das Erscheinungsbild traditioneller Dachziegel imitieren und in der Regel aus Materialien wie Schiefer, Glas und Kunststoff bestehen.

Haus bedeckt mit Solarziegeln in der Schweiz

Leistungsfähigkeit von Solarziegeln

Solarziegeln wird grundsätzlich etwas weniger Effizienz als Aufdachsolaranlagen zugesprochen, da sie eine geringere Konzentration an Solarzellen pro m² aufweisen. Dennoch erlaubt das kleine Format der Module die Installation von Ziegeln an Stellen, an welchen grosse Aufdach- oder Indachanalgen nicht hinpassen würden. Da Solarziegel damit pro Dach mehr Fläche decken können, kann der Effizienzunterschied minimiert werden.

Die Leistungsfähigkeit von Solarziegeln hängt ausserdem von einigen weiteren Faktoren ab: Wie bei allen Photovoltaikanlagen, spielt beispielsweise die Neigung des Daches eine tragende Rolle: Für eine optimale Performance der Solarziegel sollte Ihr Dach gegen Süden ausgerichtet sein und mindestens eine Neigung von 10 Grad aufweisen. Ist die Neigung geringer, schützen Solarziegel nicht mehr ausreichend vor Regen. Ihre Höchstleistung erreichen die Ziegel bei einer Dachneigung von ca. 30 - 35 Grad.

Ausserdem ist die Fläche des Daches entscheidend. Experte Patrick Imholz empfiehlt «Für ein Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Energiehaushalt von ca. 4500 - 5000 Kilowattstunden lohnen sich Solarziegel bei einer Fläche von ca. 40 - 50 m²». Zu guter Letzt spielt die Farbe der Ziegel eine entscheidende Rolle für die Leistungsfähigkeit der Solarziegel. Hierbei gilt: Je dunkler der Ziegel, desto mehr Sonnenlicht kann absorbiert und desto mehr Strom kann produziert werden.

Werden alle relevanten Faktoren berücksichtigt, lässt sich die Leistungsfähigkeit von Solarziegeln an die Leistung herkömmlicher Aufdach-Anlagen angleichen.

Kosten & Förderung

«Wer schön sein will, muss leiden!» Dies gilt auch bei Solarziegeln - zumindest über Umwege: Denn für die Schönheit Ihres Daches muss Ihr Bankkonto (etwas) leiden! Die stylischen Ziegel sind - wer hätte das gedacht - teurer als eine herkömmliche Dachdeckung oder grossflächige PV-Anlagen. Zum Kaufpreis der Ziegel kommen Kosten für die Installation der notwendigen Elektronik und die Verkabelung der einzelnen Ziegel hinzu.

Neben den reinen Anschaffungs- und Installationskosten der Ziegel, sollte auch die Unterkonstruktion des Daches nicht vergessen werden. Patrick Imholz erläutert uns hierzu: «Es ergibt wenig Sinn, neue Solarziegel auf einem 30-jährigen Dachuntergerüst zu installieren. In einem solchen Fall muss die Lattenkonstruktion des Dachs ebenfalls begutachtet und erneuert werden. Oft wird unterschätzt, wie hoch die Kosten allein für die Sanierung der Dachkonstruktion ausfallen können. Die Installation von Solarziegeln ist daher besonders lohnenswert, wenn ohnehin eine Dachsanierung geplant ist und die Kosten für ein neues Dachgerüst, Unterdach, Konterlatten und dergleichen bereits einkalkuliert wurden. Summiert man alle Kosten einer Dachsanierung, sowie die Anschaffungs- und Installationskosten der Solarziegel, sollte man für die Solarziegel eines Einfamilienhauses mit durchschnittlichem Energieverbrauch ca. CHF 800–1000 pro Quadratmeter Solarziegel einrechnen. Bei einer Dachfläche von 40m² sind das ca. CHF 32’000.

Haben Sie zusätzliches Budget zur Verfügung, empfiehlt es sich, ausserdem in einen Stromspeicher zu investieren. Mit diesem kann der erzeugte Strom gespeichert und an regnerischen Tagen oder nachts genutzt werden. Dadurch kann mehr selbst produzierter Strom genutzt und weniger externer Strom muss bezogen werden. Auch Patrick Imholz legt die Investition nahe: «Mit einem Stromspeicher steigern Sie die Eigennutzung des selbst produzierten Stroms von 30% auf 60%. Je mehr Strom Sie selbst konsumieren, desto eher rechnet sich die Photovoltaik-Anlage für Sie». Der Stromspeicher hat jedoch seinen Preis: Die Anschaffungskosten beginnen bei ca. CHF 6’500 Franken für ein Einfamilienhaus.

Bevor Sie nun vor der hohen Summe zurückschrecken: Denken Sie daran, dass Sie für Investitionen in erneuerbare Energien Fördergelder beantragen können! Integrierte Anlagen (grossflächige Indachmodule und Solarziegel) werden vom Bund tendenziell sogar mit mehr Geldern gefördert, da sie zur Erhaltung des Ortsbildes beitragen. Ausserdem können Sie einen grossen Teil der Investition von Ihren Steuern abziehen.

Am Ende gilt: Je höher Ihre erhaltenen Fördergelder und der Eigenkonsum Ihres Solarstroms sind, desto früher amortisieren Sie die Anschaffungskosten der PV-Anlage - dies geschieht in der Regel in maximal 20 Jahren.

Vor- und Nachteile von Solarziegeln

Wann lohnen sich Solarziegel nun für Sie und wann macht die Entscheidung für eine klassische PV-Anlage mehr Sinn? Hier die wichtigsten Vor- und Nachteile von Solarziegeln im Überblick:

Vorteile von Solarziegeln:

  • Zwei in Einem: Solarziegel dienen als Dachdeckung und Stromerzeuger zugleich. Die Investition in diese 2x1 Lösung lohnt sich besonders dann, wenn ohnehin eine Dachsanierung ansteht oder Sie einen Neubau planen.

  • Ansprechende Ästhetik: Solarziegel sind unauffälliger als klassische Photovoltaikanlagen und fügen sich harmonisch in das Gesamtdesign des Gebäudes ein. Imholz-Spezialtipp: «Wegen ihrer unauffälligen Optik bieten sich Solarziegel besonders dann an, wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht oder wenn der architektonische Wert der Immobilie für die Eigentümer:innen eine entscheidende Rolle spielt».

  • Hohe Flexibilität: Jeder Solarziegel ist eine eigenständige Solarzelle und bietet so mehr Flexibilität bei besonders geformten Dachflächen. Im Unterschied zu grossflächigen Indachmodulen können auch kleinere Winkel mithilfe von speziell zugeschnittenen Winkelziegeln gedeckt werden.

  • Keine Installationselemente notwendig: Im Gegensatz zu Aufdachanlagen benötigen Solarziegel keine speziellen Installationselemente wie Rahmen, Halterungen oder andere Befestigungselemente.

Nachteile von Solarziegeln:

  • Keine nachträgliche Installation möglich: Im Gegensatz zu einer Aufdachanlage können Solarziegel nicht einfach im Nachhinein auf ein bestehendes Dach aufgesetzt werden.

  • Aufwendige Elektronik: Solarziegel sind aufgrund der vielen Verbindungen und Schaltungen zwischen den einzelnen Ziegeln technisch herausfordernder als ein einzelnes grosses Modul.

  • Geringere Leistungsfähigkeit: Solarziegel sind etwas weniger leistungsfähig als grossflächige Module. Sie decken aber auch Flächen, die keinen Platz für grossflächige Module bieten. Insgesamt produzieren Solarziegel folglich nur gering weniger Strom.

Fazit: Solarziegel, ja oder nein?

Folglich gilt: Solarziegel lohnen sich besonders, wenn eine Dachsanierung ansteht oder Sie einen Neubau planen. Haben Sie eine spezielle, verwinkelte Dachform oder möchten nur kleinere Flächen decken, macht das Anbringen von Solarziegeln ebenfalls Sinn. Auch wenn Ihr Haus einen architektonischen Wert hat oder denkmalgeschützt ist, können Solarziegel Ihr optimaler Weg zu ökologisch produziertem Strom sein.

Solarziegel lohnen sich nicht, wenn Sie Ihr Dach erst vor kurzem saniert haben oder Flächen von weniger als 40m² zur Verfügung haben. Auch für Flachdächer sind Solarziegel ungeeignet.

Ja, ich möchte Solarziegel. Wie muss ich vorgehen?

Sie haben sich für Solarziegel entschieden? Dann folgen Sie diesem Schritt für Schritt Fahrplan – Nächster Halt Sonnendach!

  1. Eignungskontrolle: Überprüfen Sie im ersten Schritt, wie geeignet Ihr Dach für Sonnenenergie ist. Nutzen Sie hierfür die Karte zur Nutzung von Sonnenenergie der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Einfach Adresse eingeben und im Handumdrehen erfahren, wie gut sich ihr Grundstück für eine Photovoltaikanlage eignet. Bei bestehenden Gebäuden erfahren Sie hier auch, welche Dachseite für die Anlage am geeignetsten ist.

  2. Kontaktaufnahme mit Spezialist:innen: Wenden Sie sich an einen Solarziegelhersteller oder -planer.

  3. Feinplanung: Vor Ort wird Ihr Dach mit einer Drohne ausgemessen und daraus anschliessend ein 3D-Modell entwickelt. Achten Sie darauf, dass Ihr Unternehmen in diesem Schritt genaue Prognosen zu den erwarteten Fördergeldern, Dachdeck- und Materialkosten liefert.

  4. Eindecken: Die Dachdeckung mit Solarziegeln dauert nicht länger als eine herkömmliche Dachdeckung, also ca. 2 Wochen. Beachten Sie hierbei, dass mit längeren Material-Lieferfristen gerechnet werden muss und auch Handwerker:innen aktuell volle Terminkalender haben. Beginnen Sie also frühzeitig mit der Planung!

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